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KlimaStreik am 23. September 2022 –
Grußwort von Inselpastor Christian Neumann

 

„Nützt ja nix!“

Liebe „Protestantinnen und Protestanten“ beim Klimastreik,

wir protestieren heute ökumenisch, das heißt übersetzt „in dem einen Welthaus“ - global. Wir sind InsulanerInnen und Gäste, Jung und Alt und Mittel, und alles Menschen guten Willens. Denn in der Klimafrage gibt es keine Grenzen.

In den gegenwärtigen Krisen teilen viele das Gefühl, nichts bewirken zu können, nur behandelt zu werden, nur ohnmächtig und ungläubig zusehen zu müssen.

Aber wir sind heute hier, um zu zeigen, dass wir handeln und denen, die zu entscheiden haben, Unterstützung zum Guten, Zuspruch für ihr Tun, und Rückhalt in allen Widerständen geben.

Mehrere Krisen überlagern sich. Die Klimakrise jedoch bleibt die zentrale Menschheitsfrage.
Was hilft in der Krise?

Es gibt ein ostfriesisches Glaubensbekenntnis. Es hat uns Menschen hier im Norden schon immer geholfen, durch Notlagen zu kommen und mit Krisen umzugehen.
Das ostfriesische Glaubensbekenntnis lautet:

„Nützt ja nix!“

Es hilft, trotz aller Misere, den Mut nicht sinken zu lassen: „Nützt ja nix!“

Ich habe schon so viele Menschen erlebt, die mit diesem Satz sich aufgemacht haben, das Leben anzupacken.

Es hilft, die Lage nicht nur zu beklagen oder in der Not steckenzubleiben, sondern bewirkt das Not-wenige,
nämlich sich aufzuraffen: „Nützt ja nix!“
Das ostfriesische Glaubensbekenntnis bringt uns dazu, für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung („konziliarer Prozess“) wirklich ins Handeln zu kommen.


Die Lage ist ernst. Die Probleme sind groß.
Wir wissen, dass dieser Sommer uns nur die Anzeichen des unser Leben verändernden Klimawandels gezeigt hat.
Wir wissen, was falsch läuft.
Wir wissen, was richtig ist.
Wir wissen mehr als genug. Wir wissen alles.

Aber wir stecken in der „Konjunktiv-Krise.“
Die Konjunktive lauten:

Wir müssten unsere Lebensweise ändern.
Wir bräuchten auf dieser Sonneninsel längst mehr Solardächer.
Wir sollten einen Klimamanager einstellen, so wie es andere schon getan haben.
Wir könnten ernstmachen mit nachhaltigem Tourismus.

Könnte, sollte, müsste. Das ist die Konjunktiv-Krise.
Nein: machen!

Ich weiß, das ist schwer. Ich weiß, das kostet Kraft.
Ich bin auch gern träge.
Ich kenne auch die Mühen der Ebene.

Als Kirchengemeinde sind wir seit 15 Jahren im Umweltmanagement aktiv. Im „Grünen Hahn“, heißt das bei uns. Weil der Hahn uns wachruft und sagt, wann es Zeit ist, aufzustehen, aktiv zu werden.
Wir sind wach.
15 Jahre, in denen wir den Energieverbrauch um 20% reduziert haben und der Strom der Inselkirche seit 13 Jahren komplett aus regenerativen Quellen stammt.
Nachhaltig Einkaufen muss gut überlegt sein. Jedes Mal. Gerade wurde entschieden, in einer leider freigewordenen Mitarbeiterwohnung alle Fenster im höchsten energetischen Standard zu ersetzen – mit Fördermitteln. Das kostet alles Zeit, Kraft und auch Geld.
Aber: Nützt ja nix!

Es ist nötig, in diesen Zeiten, in denen sich die Krisen überlagern, den Blick für das Positive zu behalten, damit man nicht irre wird. Die Energiekrise hat z.B. dazu geführt, dass in diesen Wochen der Denkmalschutz grundsätzlich freigegeben hat, auf wunderbar nach Süden ausgerichtete Kirchendächer Solarpaneele  zu setzen. Endlich. Wir setzen das nun um. Ich sage das alles nicht, damit wir (als Kirche) gut dastehen, sondern um zu zeigen, dass wir hier auf Langeoog doch von einander lernen könnten, wenn wir gute Erfahrungen gemacht und wichtige Schritte gewagt haben.

Denn ich möchte nicht, dass wir am Ende dieses Jahrzehnts erneut hier auf dem Rathausplatz stehen und den Konjunktiv wieder herausholen und sagen:
Hätten wir doch!
Hätten wir doch nicht nur Sand am Pirolatal aufgespült, sondern unseren Beitrag geleistet, gegen die Erhöhung des Meeresspiegels.
Hätten wir nicht nur ein Klimaschutzkonzept 2022 für Langeoog beschlossen, sondern auch umgesetzt und die Inselbahn elektrifiziert.
Hätten wir doch nur unseren „Gästebeitrag“ geleistet, den wir als BewohnerInnen auf Zeit auf dieser Erde zu leisten haben.

Das ostfriesische Glaubensbekenntnis sagt gegen die Bedenkenträger, gegen das Beharrungsvermögen, gegen die Bequemlichkeit auch in uns selbst: Nützt ja nix.
Auch wenn’s schwer ist.
Auch wenn noch nicht alle mitmachen.
Nicht nur die da oben sind dran, sondern wir sind dran.

Wir sehen doch gerade eindrücklich, dass die vielen kleinen Beiträge etwas bringen.
Und „Fridays for future“ zeigt uns, dass eine Einzelne den Unterschied machen kann. Greta Thunberg heißt sie und ist das prominente Beispiel dafür, was folgt, wenn ein Mensch sagt: Ich mach jetzt Schulstreik. „Nützt ja nix!“

Wir haben es auf Langeoog einmal geschafft, von ersten Schritten im fairen Handel zur ersten Fair-Trade-Insel Deutschlands zu werden.
In Sachen Nachhaltigkeit haben wir viel Luft nach oben. Wir werden nicht mehr die ersten. Aber lasst uns nicht weiter hinterherlaufen. Nützt ja nix!
„Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpung“ ist der Dreiklang, um dieser Welt eine Zukunft zu geben, ist unsere Aufgabe, um das Leben auf diesem Planeten für mehr als nur uns paar Privilegierte lebenswert zu machen.

Heute ist ein mutmachender Tag – auch auf unserem Sandhaufen in der Nordsee. Ich sage Danke für die Aktivierung und den Aufruf durch die Grünen und besonders Dank an Bärbel Kraus, für ihren Einsatz und die Einladung hier ein paar Worte zu sagen.
Danke fürs Zuhören und noch mehr fürs Mitmachen:
Nützt ja nix!

 

Inselpastor Christian Neumann - eMail: Christian.Neumann@evlka.de