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Gottesdienst am 4. Sonntag nach Trinitatis
5. Juli 2020, 11.00 Uhr

Text: Röm 12,17-21

"I have a dream"

Live-Mitschnitt aus der Inselkirche am 5.7.2020

 

 

  • 00:00“ Glockenläuten
  • 00:28“ Orgelvorspiel Felix Mendelssohn-Bartholdy: Sonate II – Grave
  • 01:53“ Begrüßung
  • 04:00“ Gebet
  • 05:20“ Lied: freiTöne 25,1-3 Da wohnt ein Sehnen
  • 08:37“ Psalm 126 (im Wechsel gesprochen)
  • 10:06“ Orgel: F. Mendelssohn-Bartholdy: Sonate II – Adagio
  • 13:12“ Predigt
  • 32:12” Lied: freiTöne 169,1-2+4+6 We shall overcome
  • 34:55” Glaubensbekenntnis
  • 36:21” Lied: freiTöne 169  (instrumental)
  • 37:18“ Abkündigungen
  • 40:39“ Fürbittengebet und Vaterunser
  • 45:13“ Segen
  • 45:42“ Orgelnachspiel  

Mitwirkende:

  • Predigt: Inselpastor Christian Neumann
  • Lesungen: Andrea Lueg und Frank Niemeier
  • Orgel: Inselkantorin Noémi Rohloff
  • Freizeithelferinnen: Cordula u. Helene Simon, Gina Emte
  • Küster/Kamera: Dominique Seifert
Orgelvorspiel
Begrüßung

Der Friede des Herrn sei mit uns allen. Amen.

herzlich willkommen hier in der Inselkirche zum Gottesdienst am 4. Sonntag nach Trinitatis.

Haben Sie heute Nacht geträumt?
Manchmal wacht man auf – reichlich verstört.
Alte Erinnerungen, frühere Wegbegleiter, alte Erfahrungen melden sich in den Träumen zurück.

Manchmal wacht man auf – leicht und beflügelt.
Der Traum vom Glück, die Leichtigkeit des Seins,
das Schöne hat uns traumhaft erfüllt.

In den Träumen meldet sich nicht nur unser Unterbewusstes.
In den Träumen kann sich eine andere Wirklichkeit abzeichnen.

„I have a dream…“
So hat Martin Luther King seinen Traum begonnen.
Den Traum davon, dass das Böse mit dem Guten überwunden werden kann. Der Traum, der mit Jesus begonnen hat und der nicht ausgeträumt ist.
„Ich habe einen Traum…“

Lasst uns wach miteinander Gemeinde sein. Lasst uns auf Gottes Bild von seinen Menschen und seiner Welt schauen.
Lasst uns heute Morgen den Traum des Lebens folgen.

Wir sind zusammen in seinem Namen:

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Gebet

Gott des Himmels und der Erde.

„I have a dream…“
Zu oft träumen wir nur von einer heilen Welt.

Manches war schwer in dieser Woche.
Mitmenschen leiden unter den Nöten des Lebens:
Trauer, Schmerzen, Gewalt und Lieblosigkeit.
Mitgeschöpfe leiden unter zugefügten Qualen.
Zu oft gleicht das Leben einem Albtraum.
Gott, wir sehnen uns in einer unheilen Welt nach Deinem Heil

„Ich habe einen Traum.“

Wo Du, Gott, nahe bist, werden wir sein wie die Träumenden.
Unser Mund darf Lachen und unsere Worte loben Dich.
In Jesus Christus hast Du den Traum des ewigen Lebens  unter uns Wirklichkeit werden lassen.
Darum bitten wir Dich um Deine Gegenwart;
in diesem Gottesdienst
in unserem Leben
auf dieser Erde.

Amen.

Lied: freiTöne 25,1-3 Da wohnt ein Sehnen

Da wohnt ein Sehnen tief in uns, o Gott, nach dir, dich zu sehn, dir nah zu sein. Es ist ein Sehnen, ist ein Durst nach Glück, nach Liebe, wie nur du sie gibst.

  1. Um Frieden, um Freiheit, um Hoffnung bitten wir. In Sorge, im Schmerz – sei da, sei uns nahe, Gott.
  2. Um Einsicht, Beherztheit, um Beistand bitten wir. In Ohnmacht, in Furcht – sei da, sei uns nahe, Gott.
  3. Um Heilung, um Ganzsein, um Zukunft bitten wir. In Krankheit, im Tod – sei da, sei uns nahe, Gott.
Psalm 126 (gemeinsam und im Wechsel gesprochen)

Alle     Wenn der Herr die Gefangenen Zions erlösen wird,
            so werden wir sein wie die Träumenden.

1         Dann wird unser Mund voll Lachens
            und unsre Zunge voll Rühmens sein.

2         Dann wird man sagen unter den Heiden:
            Der Herr hat Großes an ihnen getan!

1         Der Herr hat Großes an uns getan;
            des sind wir fröhlich.

2         Die mit Tränen säen,
            werden mit Freuden ernten.

1         Sie gehen hin und weinen
            und streuen ihren Samen

2         und kommen mit Freuden
            und bringen ihre Garben.

Alle     Ehre sei dem Vater und dem Sohn
            und dem Heiligen Geist,
            wie es war im Anfang, jetzt und immerdar.
            und von Ewigkeit zu Ewigkeit.   Amen.

Orgelmusik

Felix Mendelssohn-Bartholdy: Sonate II – Adagio

Predigt

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen.

I. Die Welt in welchen Händen?

Seit einiger Zeit liegt nun schon diese Bildkarte vor Euch. Eine Weltkugel ist darauf zu sehen. Sie wird aus angemalten Händen gebildet.  Die Welt ist schön. Ihre leuchtenden Farben sind nicht von der Dunkelheit des endlosen Alls umgeben, sondern von weißer Helligkeit.
Die Hände greifen ineinander. Als würden sie etwas Kostbares bergen. Die Welt ist in guten Händen.
Die Hände sind miteinander verschlungen, nicht nur, damit es eine runde Form ergibt. Diese Geste erinnert mich auch daran, dass Hände zusammenhalten müssen, damit diese Welt zum Guten geändert werden kann.

Und darüber lesen wir den Satz: I have a dream…

Paulus hatte einen Traum. Einen, der sein Leben veränderte, auf den Kopf stellte. Vom zornigen Verfolger der Christen, vom wutschnaubenden  Unterdrücker mit der Macht des Gesetzes ist er zum Prediger der Liebe geworden, zum Missionar der frohen Botschaft.

Weil er diesem Gott der Liebe in seinem Leben begegnet ist. In diesem Traum vor Damaskus. Wo Christus ihn vom Blinden zum Sehenden machte. Vom Verfolger einer Minderheit zum Freiheits-Apostel für alle Völker, vom Zerrbild des Gesetzestreuen zum Botschafter einer unglaublichen Gnade, die mehr Kraft hat als alles. Sein Ziel auf dem Weg durch die halbe Welt war das Zentrum der Macht - Rom. Der dortigen Gemeinde schreibt er von seinem Traum:

„Vergeltet niemandem Böses mit Bösem. Seid auf Gutes bedacht gegenüber jedermann. Ist's möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden.
Rächt euch nicht selbst, meine Lieben, sondern gebt Raum dem Zorn Gottes; denn es steht geschrieben (5. Mose 32,35): »Die Rache ist mein; ich will vergelten, spricht der Herr.«
Vielmehr, »wenn deinen Feind hungert, so gib ihm zu essen; dürstet ihn, so gib ihm zu trinken. Wenn du das tust, so wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln« (Sprüche 25,21-22).  Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.“
(Römer 12,17-21)

Was für ein Traum. Die Überwindung des Bösen.

Mir könnte schlecht werden, wenn ich sehe, in wessen Händen gerade die Welt ist. Man könnte verzweifeln, wenn man sieht, dass die Krise eben nicht nur unsere Fähigkeiten zum Zusammenhalt, zur Solidarität und Hilfsbereitschaft hervorruft, sondern auch die niedersten Instinkte, das „Ich zuerst!“ und „nach uns die Sintflut.“ Die Nachrichten vom unüberwindlich scheinenden Bösen sind schwer zu ertragen:
Von der andauernden Unterdrückung, Benachteiligung, ja Tötung von Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe.

Vom unerbittlich andauernden Krieg in Syrien, der eine Ärztin zwingt, in Damaskus zum Schutz vor den Fassbomben unter der Erde eine Kinderklinik zu betreiben.

Die Nachricht, dass sich Zehntausende im Netz mit Bildern und Filmen und Tipps zum Kindesmissbrauch austauschen.

Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem. Ist das nur ein Traum? Ist das nicht nur etwas für Träumer.

„I have a dream…“ Ich habe einen Traum.

Nach dem gestrigen amerikanischen Feiertag erinnern wir diesen Satz Martin Luther Kings. Jeder, sagt der, jeder hat seinen Blues.  Jede hat ihre eigene Geschichte. Jeder hat seinen eigenen Traum vom Leben. Jede kennt auch den Kampf mit den Widrigkeiten des Lebens und die Angst, die Hoffnung zu verlieren. „Jeder hat seinen Blues“. So beschreibt es Martin Luther King: »…Die Blues-Songs erzählen die Geschichte von den Schwierigkeiten des Lebens…Sie greifen die härtesten Realitäten auf und verwandeln sie in Musik, um mit etwas neuer Hoffnung oder einem Triumphgefühl daraus hervorzugehen. Das ist Musik sieghafter Überwindung….In dem besonderen Kampf der Schwarzen in Amerika liegt etwas, das dem universalen Kampf des modernen Menschen verwandt ist. Jeder hat den Blues. Jeder sehnt sich nach sinnvollem Leben. Jeder will lieben und geliebt werden. Jeder wünscht sich, in die Hände zu klatschen und glücklich zu sein. Jeder sehnt sich nach Glauben. In der Musik …ist uns ein Mittel gegeben, zu alledem zu kommen.« ( Theo Lehmann, Blues & Trouble, 4.Aufl. 2001, S.12 )

II. Gewalt und Gewaltlosigkeit

„Vergeltet niemandem Böses mit Bösem. Rächt euch nicht selbst, meine Lieben.“

Martin Luther King war überzeugt davon, dass Gewalt mit Gewaltlosigkeit begegnet werden muss – Mahatma Gandhi sein großes Vorbild. Er war überzeugt, dass Liebe und Wahrheit die beiden mächtigsten Waffen der Welt seien. In Workshops, in Gottesdiensten haben sie tagelang gewaltloses Verhalten eingeübt. Dazu kann man sich nicht einfach entschließen und dann ist es so. Das muss man wirklich trainieren.

Weil wir die andere Reaktion – die aktive Gegenwehr – ein Leben lang schon eingeübt haben.

Es kam zu Massenverhaftungen und Zwischenfällen, bei denen weiße Rassisten die sitzenden Demonstranten nicht nur verhöhnten oder mit Essensresten oder Urinbeuteln bewarfen, sondern ihnen auch heißen Kaffee über den Kopf gossen und ihnen Verbrennungen zufügten.

„Am Ende lagen wir in einer großen Blutlache auf dem Boden. Aber als die Polizei kam, haben wir abgelehnt, Anzeige zu erstatten“, berichtete John Lewis, einer der letzten Überlebenden der sechs engsten Mitstreiter Martin Luther Kings. Dieser später hochangesehene Kongressabgeordnete erinnert gerade in unseren Tagen an die Zeit der Bürgerrechtsbewegung, an den gewaltlosen Weg, den sie damals gegangen sind.

Das ist noch nicht Geschichte! Das ist noch unser Thema. Das ist noch nicht zu Ende geträumt! Ist der Hass doch noch zu sehen – auch bei uns. Wird doch die Angst geschürt vor Menschen mit einer anderen Religion, mit einer anderen Herkunft oder einfach nur anderen Lebensentwürfen.

Die gewaltfreien Aktionen waren auch in der schwarzen Bevölkerung nicht unumstritten. Kings Lehre sei ein verrückter Irrglaube. Es braucht viele Träumer, um alle zu erreichen.

III. Gottes Liebe

„Ist's möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden.“

Woher kommt die Kraft zur Überwindung des Bösen?
Ist es ein harter Panzer, den man sich umlegt? Unverwundbar?
Ist es eine Lehre, ein Dogma, eine Ideologie, die das bewirken kann? Ist es eine Charakterfrage oder Erfahrungswissen?

Die Überwindung des Bösen hat King in der Bibel bei Paulus gelernt. Sein kraftvoller Glaube gründet im Evangelium von der Liebe Gottes. Wer das Glauben kann, dass er oder sie wirklich und ganz ein geliebter und liebenswerter Mensch ist, kann über sich selbst, sogar über alles Böse hinauswachsen. Die Liebe, wie sie Jesus Christus verkündigt hat, war für King ein Schlüsselwort seiner Theologie. 

Bei der Verleihung des Friedensnobelpreises 1964 hielt er eine denkwürdige Rede. Sie hört sich an als wären diese Worte in unsere Zeit gesprochen:

»Wir haben gelernt, die Luft zu durchfliegen wie die Vögel und das Meer zu durchschwimmen wie die Fische, aber nicht die einfache Kunst, als Brüder zusammen zu leben…

Und dies ist das gewaltige neue Problem der Menschheit. Wir haben ein stattliches Haus geerbt, ein großes „Welthaus“, in dem wir zusammen leben müssen - Schwarze und Weiße, Menschen aus dem Osten und dem Westen, Heiden und Juden, Katholiken und Protestanten, Moslems, Buddhisten und Hindus, eine Familie, die in ihren Ideen, ihrer Kultur und ihren Interessen übermäßig verschieden ist und die - weil wir nie mehr ohne einander leben können - irgendwie lernen muss, in dieser großen Welt miteinander zu leben.

Wenn ich von Liebe spreche, meine ich nicht irgendeine sentimentale und schwächliche Reaktion, die nicht viel mehr als gefühlsseliger Schwindel ist.

Ich meine jene Kraft, die alle großen Religionen als das höchste, einende Lebensprinzip betrachten. Die Liebe ist gleichsam der Schlüssel, der die Tür zur letzten Wirklichkeit aufschließt.« (Martin Luther King, Testament der Hoffnung, 6.Aufl. 1989, Gütersloher Verlagshaus)

IV. I have a dream

„Überwinde das Böse mit Gutem.“
Am 28. August 1963 folgt der „Marsch auf Washington“ in das Zentrum der Macht, zum Denkmal für Abraham Lincoln. Der hatte 100 Jahre zuvor die Sklaverei abgeschafft. Vielleicht ist die Zeit jetzt reif für wirkliche Gleichberechtigung. Vielleicht ist die Not, ist der Druck groß genug. Man singt gemeinsam „We shall overcome“ – übersetzt bedeutet der Liedtext: „Wir werden das schaffen. Wir werden das Unrecht überwinden. Wir werden Hand in Hand gehen, Menschen mit schwarzer und weißer Haut nebeneinander. Wir werden zusammen in Frieden leben.“ Aber so selbstverständlich, wie das im Lied klingt, ist es in vielen Köpfen noch nicht. Mitten in der Hitze des August kommen zum Protestmarsch 250.000 Männer, Frauen und Kinder, darunter gut ein Drittel Weiße.

King erzählt in seiner Rede zunächst, was alles noch nicht erreicht ist. Er nennt die Orte, wo die Not am größten ist und wo das Rechtssystem versagt hat. Die Zuhörerinnen und Zuhörer sind ganz Ohr, nicken mit dem Kopf, applaudieren. Trotzdem spürt man, wie er zu kämpfen hat. Er sucht nach den richtigen Worten und Bildern. Es geht um viel.

King muss den Zusammenhalt untereinander fördern.

Er muss sie stärken für die mühsamen Schritte auf dem Weg zur Gleichberechtigung. Widersprechen und protestieren, die Arbeit niederlegen und bei rassistischen Unternehmen nichts einkaufen – das sind die Mittel des gewaltlosen Widerstandes. Dazu sollen die Menschen ja sagen. Notfalls müssen sie bereit sein, ins Gefängnis zu gehen, misshandelt zu werden oder Hunger zu leiden für ihre Ziele. Aber sie sollen auch nicht loslaufen und in blinder Wut über das große Unrecht Steine werfen. Niemand soll meinen, er könne sich mit Gewalt nehmen, was ihm zusteht.  Auf der Suche nach den richtigen Worten bekommt Martin Hilfe von einer Freundin. Mahalia Jackson, die berühmte Gospelsängerin, steht mit auf der Tribüne und hört der Rede zu. Irgendwann ruft sie ihm zu: „Tell them about the dream. – Erzähl’ ihnen von deinem Traum.” Mitten hinein in eine lang durchdachte und genau vorbereitete Rede vor so vielen Menschen!

Augenzeugen berichten, wie King kurz zögert. Dann legt er sein bisheriges Redemanuskript zur Seite. King spricht plötzlich frei, ganz aus dem Herzen. Der Tonfall ändert sich. Man merkt ihm an, jetzt wird es ganz wichtig, ganz ernst, beinahe heilig. „I have a dream.“

»Ich habe einen Traum, dass eines Tages auf den roten Hügeln von Georgia die Söhne einstiger Sklaven und die Söhne einstiger Sklavenhalter zusammensitzen werden am Tisch der Brüderlichkeit. Ich habe einen Traum, dass meine vier kleinen Kinder eines Tages in einer Nation leben werden, wo man sie nicht nach ihrer Hautfarbe, sondern nach ihrem Charakter beurteilen wird. …Wenn dies geschieht, und wenn wir erlauben, dass die Glocken der Freiheit läuten und wenn wir sie von jedem Dorf und jedem Weiler, von jedem Staat und jeder Stadt läuten lassen, werden wir diesen Tag schneller erleben, wenn alle Kinder Gottes, schwarzer Mann und weißer Mann, Juden und Christen, Protestanten und Katholiken Hände halten können und die Worte des alten Spirituals singen: ‚Endlich frei, endlich frei.  Danke, allmächtiger Gott! Wir sind endlich frei.‘« (Martin Luther King, Testament der Hoffnung, 6.Aufl. 1989, Gütersloher Verlagshaus, S.124f)

Was für ein Traum! Was für ein Träumer! Er strahlt so viel Kraft und Hoffnung aus, die mich mitnimmt. Jeder hat seinen Traum, jeder hat seinen Blues, der von einer besseren Zeit singt und träumt. Ich weiß wohl, dass man gegen das Träumen viel einwenden kann. Doch ich glaube, Träume gehören zu unserem Menschsein.

I have a dream. Ich habe einen Traum. Der Traum Martin Luther Kings ist nicht mit ihm gestorben. Denn er ist nicht einfach der Lebenstraum eines Menschen gewesen, der mit ihm begraben wird. Sein Traum ist ein Menschheitstraum, lebendig, inspirierend, kraftvoll.

Es sind Träume von einer besseren Welt. Wir träumen als wären wir schon im gelobten Land. Ob es nur eine Traumwelt bleibt? Das ist noch nicht entschieden.

Auf der Karte ist der Satz „I have a dream“ auf ein Post-it notiert.
Auf so einen Klebezettel für die kleinen und großen Erinnerungen: Milch einkaufen. Mama zurückrufen.
Urlaub buchen. Deiner Frau sagen: Ich liebe dich.

Dieses Post-it, dieser Gottesdienst, ich meine: Gott selbst, erinnert uns an unsere Träume.

Vertrauen wir uns mit unseren Träumen dem an, der einen neuen Himmel und eine neue Erde verheißen hat.
Darum singen und summen wir auch heute: „We shall overcome…“
Amen.

Lied: freiTöne 169,1-2+4+6 We shall overcome
  1. We shall overcome, we shall overcome, we shall overcome some day. Oh, deep in my heart I do believe, we shall overcome some day.
  2. We are not afraid, we are not afraid, we are not afraid today.
    Oh, deep in my heart I do believe, we shall overcome some day.
  3. Black and white together, black and white together, black and white together some day. Oh, deep in my heart I do believe, we shall overcome some day.
  4. We shall live in peace, we shall live in peace, we shall live in peace some day. Oh, deep in my heart I do believe, we shall overcome some day.

Nicht singbare Übersetzung:

1. Wir werden überwinden - eines Tages. O, tief in meinem Herzen glaube ich, wir werden überwinden eines Tages.
2. Wir haben keine Angst - heute.
4. Schwarz und weiß zusammen - eines Tages.
6. Wir werden in Frieden leben - eines Tages.

Text: Zilphia Horton, Frank Hamilton, Guy Carawan und Pete Seeger 1963 nach »I'll overcome« von C. A. Tindley 1963
Melodie: Nach »I'll Overcome« von C. A. Tindley 1960

Abkündigungen

Wochenspruch: 
Einer trage des andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen. (Galater 6,2)

Votum: (z.B.)
Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus (unserm Herrn). Amen.

Lied: freiTöne 169  We shall overcome (instrumental)
Fürbittengebet

I Gnädiger Gott,

Du weißt,
was wir mitschleppen in unserem Leben:
da gibt es Lasten aus alten Tagen,
Kränkungen, die wir nicht vergessen können,
Erinnerungen an Abweisung, Verlassenwerden und peinliche Situationen.
Immer wieder erleben wir unsere Ohnmacht
und unser Ausgeliefertsein.
Träume, die zerplatzen, wie Seifenblasen.
Wir können Vieles nicht vergessen,
aber wir bitten Dich:
Hilf uns das Böse zu überwinden – auch in unserem Leben.
Mach uns fähig zu vergeben und erleichtert den Weg weiterzugehen.
Wir rufen gemeinsam: Herr, erbarme Dich.

II. Gott,

es ist nicht leicht, einander immer zu ertragen.
Manche setzen uns mit Ihrer Art zu.
Nicht selten sind auch wir selbst für andere eine Zumutung.
Lass uns Deine Liebe spüren.
Schenke uns die Gewissheit, Deine geliebten Kinder zu sein:
Unterschiedlich und würdevoll, zum Guten begabt und zur Freiheit gerufen.
Lass uns das Kreuz wie eine Krone tragen
– ungebrochen –
anderen das Gute gönnen und ihnen helfen den Traum, den Du mit ihnen träumst, zu leben.
Lass uns wachsen über uns selbst hinaus
hinein in Deine Liebe, die uns und alles in Händen hält.
Wir rufen gemeinsam: Herr, erbarme Dich.

III. Gott,

Du hast diese Welt sehr gut geschaffen.
Und doch gibt es das Böse darin.
Lass uns davor nicht zurückweichen.
Steh allen bei,
die für Versöhnung, Freiheit und Frieden gewaltfrei eintreten.
Lass uns nicht die wählen, die die Aufrüstung fordern mit Worten oder Waffen.
Lass uns nicht denen nachplappern oder wortlos gegenüberstehen, die trennen wollen zwischen den Menschen: Arm und Reich, Nord und Süd, Schwarz und Weiß.
Hilf uns, die Umkehr mutig zu wagen,
dass das Recht gewahrt
die Minderheiten geschützt,
die Schöpfung bewahrt werde
und Dein Wille geschehe.
Wir rufen gemeinsam: Herr, erbarme Dich.

IV. Gott,

in der Kraft Deines Wortes können Berge weichen und Hügel hinfallen.
Der Glaube an Dich, vermag Berge zu versetzen
Deine Liebe ist die größte Macht, aus der wir leben.
Du kannst Böses in Gutes verwandeln und lässt uns das Lied der Freiheit singen.
Heile die Wunden.
Sende Trost in die Nöte unserer Zeit.
Sende auch uns.

Wir rufen gemeinsam: Herr, erbarme Dich.

Und um alles, was uns heute sonst zu Herzen geht, beten wir mit den Worten Jesu:

Vater unser

Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Segen

Gott segne dich und behüte dich.

Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig,

Gott erhebe sein Angesicht auf dich

und gebe dir und durch dich seinen österlichen Frieden. Amen.

Orgelnachspiel
Ein Lied zum 4. Sonntag nach Trinitatis, ein Lied für diese Zeit

Singt und spielt dem Herrn in eurem Herzen
Unter diesem Motto, wo der Gesang zur Ehre Gottes verstummt ja verboten ist, dachte
ich mir, schreibe ich jede Woche etwas zu einem Lied. Denn Lieder können so tröstliche
Begleiter sein und Halt geben in schwierigen und ungewissen Zeiten.. Also lassen Sie sich
begleiten von „Erleuchte und bewege uns“
Auch an diesem Sonntag nicht das Lied aus der Inselkirche, sondern ein kleines und sehr
kompaktes Lied, das jedoch in seiner Kürze sehr viel Tiefe hat
Erleuchte und bewege uns,
leite und begleite uns,
erleuchte und bewege uns,
leit' und begleite uns,
erleuchte und bewege uns,
leit' und begleite uns.
Erleuchte uns, lass Dein Angesicht leuchten über uns. Mach es hell in uns, komm,
vertreibe alle Angst, allen Zweifel, alles Dunkel aus unseren Herzen, dass wir mutig und
getrost uns bewegen, uns bewegen und anrühren lassen von Deinem Wort.
Durch dieses Wort leite uns, lass es uns zum Leitstern werden, der immer etwas vor uns
her geht, um uns den rechten Weg zu weisen, dass wir nicht stolpern, wie einst die
Weisen aus Morgenland oder Dein Volk in der Wüste.
Gleichzeitig begleite uns, sei uns in unserem Alltag ganz nah. Geh Du jeden Schritt mit
uns, an unserer Seite und verlass uns nicht.
Ist mit dieser einen kurzen Bitte nicht alles gesagt, was wir von Gott erwarten und was er
uns gibt: hell machenden Trost, Antrieb, zielorientiertes Leben und Liebe und
Geborgenheit durch seine Nähe.
Dieses Paket an Gottes Güte wünsche ich uns für die neue Woche.

Kommen Sie gut durch diese Zeit.
Bleiben Sie behütet und gesund
Und singen Sie alleine
und im Geiste verbunden mit anderen.
Ihre Barbara Groote