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Zum Familiengottesdienst am Ostersonntag, 3.5.2020...

Gottesdienst für Zuhause

zum Sonntag Kantate – 10. Mai 2020

Text: Psalm 98

„Im Herzen singen“

aufgenommen in der Inselkirche am 9.5.2020

Inselpastor Christian Neumann
Hauptstraße 13 – 26465 Langeoog
Tel.: 04972- 9 22 44 9
eMail: kg.langeoog@evlka.de

  • 00:00“ Glockenläuten
  • 00:36“ Musik zum Eingang (Matthias Weckmann: Nun freut euch, lieben Christen g´mein)
  • 02:10“ Worte zum Eingang
  • 03:35“ Lied: Gepriesen sei der Herr (Psalm 98)
  • 06:10“ Ansprache
  • 18:12“ Lied: EG 341, 1,4+7 und freiTöne 102,3+5 im Wechsel – "Nun freut Euch lieben Christen g'mein"
  • 22:00" Fürbitten (mit EG 178.12: Kyrie eleison)
  • 26:05“ Vaterunser
  • 26:50“ Segen
  • 27:20“ Orgelnachspiel (Aart de Kort: Marche nuptiale)

Mitwirkende:

  • Inselpastor Christian Neumann
  • Inselkantorin Noémi Rohloff (Orgel)
  • Katja Agena (Gesang)
  • Küster Dominique Seifert (Kamera)
Orgelvorspiel
Worte zum Eingang

Der Friede des Herrn sei mit uns allen. Amen.
Herzlich willkommen zum „Gottesdienst für Zuhause“
aus der Inselkirche zum Sonntag Kantate.
Kantate – singt!
„Singt dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder.“
Der Psalm 98 hat diesem Sonntag den Namen gegeben.
Es ist der Sonntag der Musik, der Kirchenmusiker und der singenden Gemeinde.

Für diesen Gottesdienst sind wir deswegen auf die Empore gegangen. Kantorin Noémi Rohloff an der Orgel, Küster Dominique Seifert hinter der Kamera und ich, Christian Neumann, wirken wieder zusammen. Und ich freue mich besonders, dass Katja Agena mit ihrem Gesang unseren Gottesdienst heute bereichert.
Wir sind versammelt mit Euch an den unterschiedlichen Orten. Zur besonderen Zeit. Im Glauben.

Über das Singen und über das Hören lasst uns den Ton anschlagen, den wir für unser Leben brauchen:
Lasst uns unsern Gott loben und ihm in den Ohren liegen
für uns selbst und die Welt, in der wir leben.

Lasst uns diesen Gottesdienst feiern im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.
Den Psalm dieses Sonntags, Psalm 98 wollen wir heute singen: Gepriesen sei der Herr.

Lied: Gepriesen sei der Herr (Psalm 98 gesungen)

Gepriesen sein der Herr.
Der Gott Israels.
Er allein tut Wunder.

Psalm 98,1-9 (Psalm des Sonntags Kantate)

Singt dem Herrn ein neues Lied,
denn er tut Wunder.
Er schafft Heil mit seiner Rechten
und mit seinem heiligen Arm.
Der Herr lässt sein Heil kundwerden;
vor den Völkern macht er seine Gerechtigkeit offenbar.
Er gedenkt an seine Gnade und Treue für das Haus Israel, aller Welt Enden sehen das Heil unsres Gottes.
Jauchzet dem Herrn, alle Welt,
singet, rühmet und lobet!
Lobet den Herrn mit Harfen,
mit Harfen und mit Saitenspiel!
Mit Trompeten und Posaunen
jauchzet vor dem Herrn, dem König!
Das Meer brause und was darinnen ist,
der Erdkreis und die darauf wohnen.
Die Ströme sollen frohlocken,
und alle Berge seien fröhlich vor dem Herrn;
denn er kommt, das Erdreich zu richten.
Er wird den Erdkreis richten mit Gerechtigkeit
und die Völker, wie es recht ist.

Predigt „Im Herzen singen.“

I. Singt dem Herrn ein neues Lied. Das Lied des Lebens

„Singt dem Herrn ein neues Lied.“
Es war bei einer der Trauerfeiern, zu der wir uns hier in der Inselkirche versammelten: Eine Frau, die viel gesungen hatte in ihrem Leben, mussten wir zu Grabe tragen. Die Gemeinde sang vor ihrem Sarg ein Lied, das der Verstorbenen oft auf den Lippen gelegen hat, wenn sie zum Nordseehimmel aufblickte:
„Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein. Alle Ängste, alle Sorgen sagt man, blieben darunter verborgen und dann würde was hier groß und wichtig erscheint, plötzlich nichtig und klein.“
– War jetzt keiner der traditionellen Kirchen-Choräle.
Aber Jung und Alt konnten in diesen Reinhardt-Mey-Song einstimmen und irgendwie schien in der Leichtigkeit der Musik und der vereinten Stimmen das Kirchenschiff ein Stück abzuheben und zu schweben „der Sonne entgegen.“

Es gibt diese Lieblingslieder – sicherlich hast Du auch wenigstens eines. Den Song, der sogar in Dir drinnen klingt, der Dich durch einen Tag tragen kann, bei dem Deine Stimme Text und Melodie mitsingt, wie von innen heraus, aus dem Herzen.
Es muss ja kein Kirchenlied sein. Auch ganz weltliche sind natürlich dazu in der Lage, so auf uns und in uns zu wirken. Aber auch manche Kirchenlieder haben die Kraft, ganze Generationen im Klang zu vereinen:
Danke für diesen guten Morgen. Geh aus, mein Herz, und suche Freud. Weißt du, wieviel Sternlein stehen. O du fröhliche.
Und diese Lieder hier in der oft vollbesetzen Inselkirche anzustimmen, zeigt mir immer wieder: Die einzigen Orte, wo in unserer Zeit noch von den „ganz Normalen“ live gesungen wird – ohne fehlerfreie Studioqualität, ohne Dolby digital, ohne Scheu vor Brummen, Krächzen oder Seniorentremolo und dem 1/8 Ton zu tief – die einzigen Orte sind heute die Kirchen und Fußballstadien.
„You’ll never walk alone“ oder „So nimm denn meine Hände“ – denn niemals gehst du allein deinen Weg.
In diesem guten Sinne wird hier wie dort gesungen.
Mit beidem geht es im Mai nach Corona-Zwangspause nun weiter – mit Kirche und mit Fußball. Aber bei beiden ohne den Gesang der „Fans“ / Anhänger.

II. Die Orgel – Königin der Instrumente
„Singt dem Herrn ein neues Lied.“
Gottesdienste ohne Gesang der Gemeinde – für mich noch mehr als gewöhnungsbedürftig. Wie so vieles in diesen Zeiten.
Aber: wir feiern Gottesdienste nicht ohne die Orgel. Sie hat in der Kirche ja im wahrsten Sinne ihren festen Platz.
Man nennt sie die „Königin der Instrumente“. Denn die Orgel vereint viele in einem, ein ganzes Orchester für zwei Hände und Füße. Besonders, wenn man eine wunderbare Kantorin hat, kann man das erleben.

„Singt dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder.
Lobet den Herrn, mit Harfen und mit Saitenspiel! Mit Trompeten und Posaunen jauchzet vor dem Herrn, dem König!“

Das wunderbare Tun Gottes soll im wunderbaren Zusammenspiel der Register sein Echo finden, von Prinzipal bis zu den Flöten, von der Gamba bis zu Posaune und Trompete, vom Cornett bis zur Oboe.
Die Fülle all der Instrumente, die sich in dem einen Instrument vereinen, ist nur ein Echo, ein Gleichnis, ein Hinweis auf das vielfache Tun des einen Gottes, der sich uns offenbart als Vater, Sohn und Heiliger Geist, als Schöpfer, Versöhner und Erlöser, und der doch einer bleibt und alles in allem ist.
Das ist der eigentliche Grund für das Spielen der Orgel, dass durch sie das „Soli Deo Gloria“ erklingt allein zur Ehre Gottes, dass das diesen Raum und uns selbst erfüllt. Denn bei alledem erweist sich die „Königin“ als „erste Dienerin“ der Gemeinde. Als Helferin für den inneren Menschen, als Erbauerin für unser Herz, und als Gehilfin für unser Gotteslob.

„Das Meer brause und was darinnen ist, der Erdkreis und die darauf wohnen.“
Im Psalm kommen wir Menschen in den Blick. Ich sehe daher in der Orgel auch das Sinnbild für die Gemeinde: Bei der Orgel sitzt eine Pfeife neben der anderen, sehr viel dichter nebeneinander, als wir es gerade dürfen.
Man sieht nur 5% der Pfeifen. Der Rest bleibt den Augen ohne wirkliches Einsteigen verborgen, aber ist zu hören und gehört natürlich dazu. Die einen stehen den andern vor, aber die andern den einen in der Bedeutung nichts nach.
Es gibt die zarten Stimmen und leisen Schwingungen, es gibt den kräftigen Ton und durchdringenden Schall. Je nachdem, aus welchem Holz einer geschnitzt ist oder welche Legierung zum Tragen gekommen ist. Am Schluss ist recht oft die große Mixtur zu hören.

In der Gemeinde hat man manchmal alle Register zu ziehen, damit alle wirklich mitspielen. Mal folgen wir der klaren Partitur aber nicht selten müssen wir improvisieren. Müssen uns an das Neue heran“tasten“ . Die Tasten sind schwarz-weiß und doch vermögen sie alle Klangfarben hervorzubringen. Mit Händen und Füßen, Herz und Verstand dürfen wir das große Lied des Lebens anstimmen.
Doch alles wäre nur kunstvolle Mechanik, wäre da nicht der eine Wind, der alle erfüllt, bewegt und lebendig macht, wie Gottes Geist.
Bei unserer Orgel gibt es sogar die „vox celestes“, die Himmelsstimme. Man muss genau hinhören, sie ist nicht die lauteste, aber dringt doch hier auf der Erde ins Ohr.
Noch mehr steckt in der Orgel, aber ich will’s nicht überstrapazieren.

An der Orgel wird für den Gottesdienst deutlich: Die Musik ist hier keine Zutat, keine Ausschmückung, kein schönes Beiwerk, sondern ein Medium, um Gott selbst zu begegnen. Dem Wunderbaren und Verborgenen, dem Unsichtbaren aber alles Durchdringenden, dem Allgegenwärtigen, dem Tröster der Seelen und König der Welt. So wie es Augustinus formuliert hat: „Erklären können wir’s nicht, verschweigen können wir’s nicht, also singen wir.“ (Enarrationes in psalmos)

III. Ein Gottesdienst mit Gesang im Herzen
„Singt dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder.“
Ich werde das gemeinsame Singen im Gottesdienst sehr vermissen. Am Sonntag Kantate wird mir das ganz klar: Wir werden – auch wenn wir hier wieder zusammen sind – anders Gottesdienst feiern. Neue Formen werden sich entwickeln. Manches wird uns schmerzlich fehlen. Und wir werden sicher Neues freudig entdecken.

Ich glaube daran: Selbst wenn manchmal unser Leben und unser Glauben nur leere Luft zu sein scheint: Gott macht Musik daraus, es bekommt eine Melodie, eine, die nicht nur uns selbst, sondern auch andere erfreut. So feiern wir Gottesdienst mit Gesang im Herzen. Gott tut Wunder.

IV. Singt!
Der Herr lässt sein Heil kundwerden;
vor den Völkern macht er seine Gerechtigkeit offenbar.

Das ist der große cantus firmus Gottes für die Welt und wird der Schlussakkord auch in unserem Leben sein.
Wir sollen leben: Vielstimmig und doch in Harmonie.
Mal alle Register ziehend, aber ohne die Leisen zu übertönen.
Gott setzt seine Fermaten bei den Benachteiligten, Schwachen, den zu Unrecht Überhörten. In Jesus Christus hat er das große Lied des Lebens angestimmt, damit wir glauben können:
Sogar „die Kreuze im Leben eines Menschen sind wie die in der Musik: sie erhöhen.“ (Ludwig van Beethoven)

Angesichts der dumpfen Töne und all dessen, was uns jetzt im Zusammenspiel hemmt, ja sogar angesichts des Todes, lasst uns auf das Lied des Lebens hören. So könnten wir Gott das Wunder wirken lassen, dass alle Ängste und Sorgen, wie man sagt, alles, was uns groß und wichtig erscheint,
letztlich nichtig und klein wird.

Darum lasst uns zum Sonntag Kantate nicht nur Musik hören: Ein Vorschlag: Mach Dein Fenster auf, lass die Luft einströmen und dann singe. Singe Dein Lieblingslied oder was Dir Dein Herz eingibt. So kann Gott auf Deine Lebenslinie seine Noten schreiben.
Sing mit anderen Christinnen und Christen am Sonntagabend um 19.30 Uhr „Der Mond ist aufgegangen“. Kantate – singt!
Dann bin ich überzeugt, dass die Freude an der Musik und am Lob des Höchsten ansteckender ist als alles andere.

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserm Herrn. Amen.

Lied: EG 341, 1,4+7 und freiTöne 102,3+5 im Wechsel "Nun freut euch, lieben Christen g‘mein"

Fürbitten (mit EG 178.12: Kyrie eleison)

Guter Gott,
der Erdkreis lobt Deinen Namen
die Schöpfung preist Deine Herrlichkeit.
die Sprachlosen lässt Du singen,
und die Mutlosen auf das Lied des Lebens hören.
Wir danken Dir für die Musik und die Menschen, die andere damit erfreuen, aufmuntern und beschenken.
Wir danken Dir für die Momente, in denen wir spüren können, von Dir gehört zu werden und getragen zu sein.

Wir bitten Dich für alle,
denen ein Klagelied heute näher ist als Dein Lob,
deren Ohren immer wieder Entmutigendes und Kritik hören müssen,
über deren Lippen schon lange keine fröhliche Melodie mehr gekommen ist.
Hilf Deinen Menschen, schaffe Heil mit Deiner Rechten,
dass sie aufhören können zu klagen
und Grund haben zum Singen.
Gott, erbarme Dich.

Gott,
von „liebe, liebe Sonne“ bis „Niemals geht man so ganz‘“ begleiten Lieder unser Leben.
Wir bitten Dich, der Du Leben schenkst und Leben erhältst,
für alle Neugeborenen, deren Start in die Welt erschwert ist, für ihre Eltern und Angehörigen.
Dass Du sie stärkst mit Deiner Kraft von oben und ihre Last leicht machst in dieser Zeit.
Wir bitten Dich für die Jugendlichen,
dass sie die Melodie ihres Lebens finden und auf Dein Lied des Lebens hören.
Wir bitten Dich für alle Altgewordenen, die am Abend ihres Lebens stehen, dass sie versöhnt und dankbar in ihr Lebenslied einstimmen können,
dass sie Menschen haben, die mit ihnen vertraute Melodien anstimmen
und dass Du es bist, auf dessen Lied und Ruf sie getrost hören dürfen zum Eingang in den himmlischen Lobgesang.
Gott, erbarme dich.

Wir bitten Dich für Deine Kirche in aller Welt,
um eine fröhliche Gelassenheit, die in Dir geborgen ist.
Lass uns miteinander Deine Liebe feiern,
neuartig und geistreich,
verschieden und vielstimmig und versöhnt.
Lass uns Deine Botschaft in die Welt tragen
und die Wunder Deiner guten Hand jeden Tag erkennen.
Lass uns den Mühseligen und Beladenen unsere Stimme geben und denen helfen, die Deine Barmherzigkeit jetzt konkret und handelnd erfahren sollen.
Gott erbarme Dich.

Gott, wir bitten Dich für uns,
dass wir selbst wie ein „neues Lied“ werden,
das Dir die Ehre gibt
und den Menschen Freude macht.
Mit Herzen, Mund und Händen.

Und um alles, was uns heute sonst auf dem Herzen liegt,
bitten wir Dich mit den Worten Deines Sohnes:

Vater unser im Himmel.

Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Segen

Gott segne dich und behüte dich.
Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig,
Gott erhebe sein Angesicht auf dich
+ und gebe dir und durch dich seinen österlichen Frieden. Amen.

Orgelnachspiel (Aart de Kort: Marche nuptiale)

 

Lied: